Apothekerin, Biofeedback Therapeutin Christiane Driewer Februar 2026

Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Hypercholesterinämie, erhöhtem LDL und damit postuliertem erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko, kam ich nicht umhin, etwas tiefer in das Thema einzusteigen, denn eine oberflächliche Betrachtung birgt das Risiko wichtige Zusammenhänge zu übersehen und einen einseitigen Blickwinkel zu haben.

Ein wichtiger Marker soll das Lipoprotein(a) sein, was man nur einmalig in seinem Leben bestimmen lassen sollte, da er genetisch festgelegt ist und nahezu das ganze Leben konstant bleibt ganz unabhängig von den Lebensgewohnheiten, also auch nicht beeinflussbar ist. Ca. 20% der Weltbevölkerung sind betroffen, am wenigsten die Ostasiaten und die Europäer.

Ein erhöhter Lp(a)-Spiegel gilt als eigenständiger Risikofaktor für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Aortenklappenstenosen. Er ist oft der Grund, warum Menschen trotz gesunden Lebensstils (Sport, ausgewogene Ernährung) und normaler Cholesterinwerte Gefäßprobleme entwickeln.

Wenn er genetisch festgelegt ist, bestand für mich die Überlegung, ob es evolutionär auch einen Nutzen, also einen Überlebensvorteil gab, wenn ein Mensch einen höheren Lp(a) aufwies als andere. Lp(a) ist quasi ein „mobiles Reparaturmolekül“, was als Pflasterfunktion genutzt werden kann, da es sich an beschädigte Gefäßwände anlagert, um diese zu stabilisieren.

Es könnte als Ersatz für Vitamin C dienen, denn nach der Theorie von Linus Pauling, sei Lp(a) für die Evolution des Menschen wichtig gewesen, als er die Fähigkeit verlor Vitamin C selbst zu bilden. Ohne ausreichend Vitamin C wird das Bindegewebe der Gefäßwände instabil und der Körper produziert Lp(a) als evolutionären Ersatz um Risse in den Arterien abzudichten um ein inneres Verbluten zu verhindern.

In der Medizin wird beobachtet, dass Menschen mit einem hohen Lp(a) signifikant häufiger Herzinfarkt & Schlaganfälle erleiden. Das Molekül ist extrem klebrig, es enthält ein spezielles Protein, das Apolipoprotein a, das strukturell dem Plasminogen ähnelt. Plasminogen ist die inaktive Vorstufe von Plasmin, was durch Fibrinolyse Thromben in Gefäßen, die nicht mehr gebraucht werden, wieder auflösen kann. Durch diese Ähnlichkeit fungiert Lp(a) quasi als „falscher Zwilling“ des Plasminogens und verursacht zwei Hauptprobleme:

Zum einen eine Blockade der Fibrinolyse, weil es das echte Plasminogen von seiner Bindungsstelle am Fibrin verdrängt, selbst aber keine Thromben auflösen kann und dies führt letztendlich zu einer Förderung von Thrombosen, da der Abbau von Thromben behindert wird und somit das Risiko für einen akuten Gefäßverschluss steigt.

Diese strukturelle Ähnlichkeit ist auch der Grund, warum Lp(a) so schwer medikamentös zu fassen ist – Wirkstoffe müssen sehr spezifisch sein, um das „böse“ Apo(a) zu senken, ohne das „gute“ Plasminogen zu beeinträchtigen

Was also in der Vorzeit lebensrettend gewesen sein kann, führt in der modernen Welt mit ungesunder Ernährung mit hoch verarbeiteter Nahrung, Stress, Rauchen, hohem Blutdruck und Vitalstoffmangel zu einer „Dauer-Reparatur“, das Pflaster wird immer dicker bis das Gefäß verstopft.

Lipoprotein(a) wird allerdings genauso wie Cholesterin und das angeblich „böse“ LDL erst durch Oxidation besonders aggressiv und fördert Schaumbildung.

Liegen Gefäßschäden vor, können LDL Partikel in die Gefäßwand eindringen. Dazu muss man aber differenzieren, welche Art LDL Partikel bei dem betreffenden Menschen vorliegen.  Weitestgehend harmlos sind sogenannte large buoyant LDL, große fluffige Partikel, weil sie kaum in die Gefäßwände eindringen können. Es gibt aber auch sogenannte small dense LDL, also kleine dichte Partikel, die hochgradig atherogen sind, da sie klein genug sind, um einzudringen. In der Gefäßwand oxidieren sie relativ schnell und werden von Makrophagen (Abwehrzellen) als schädlich erkannt und gefressen. Es entstehen Schaumzellen, ein weicher fettiger Herd – ein erster Plaque ist entstanden. Die Gefäßwand reagiert darauf mit einer Entzündung, da er als Fremdkörper erkannt wird und in der Folge wuchert das Bindegewebe.

Als Spätphase versucht der Körper den weichen Plaque mit Calciumsalzen zu stabilisieren. Das Gefäß wird hart und verliert dadurch seine Elastizität.

Zielführend ist es also das oxLDL zu messen, was einen spezifischer Marker für aktive Entzündungsprozesse in den Gefäßen darstellt (Kosten ca. 30-55 Euro je nach Labor) und zusätzlich die Lipoprint-Methode. Diese ist ein spezialisiertes Elektrophorese-Verfahren, das die verschiedenen Subfraktionen der Lipoproteine im Blut detailliert aufschlüsselt. Während ein Standard-Bluttest nur den Gesamtwert des LDL-Cholesterins liefert, misst Lipoprint die genaue Größenverteilung und Dichte der Partikel.

Das Problem generell besteht darin, dass Cholesterin generell als schädliche Substanz gebrandmarkt wird. Aus dem lebensnotwendigen Grundgerüst des Cholesterins stellt der Körper alle Sexualhormone, Stresshormone (Cortisol), Mineralcorticoide (wichtig für Wasserhaushalt, Blutdruck), Gallensäuren für die Fettverdauung und Vitamin D her. Außerdem ist es Strukturgeber/Stabilitätsfaktor  jeder Zellmembran. Besonders hoch ist die Konzentration im Gehirn und in den Nervenscheiden (Myelin).

Das allgemein so bezeichnete böse LDL fungiert als Transportprotein und bringt das von der Leber produzierte LDL zu den Zielorganen. Umso höher dieses ist, also umso mehr im Blut zirkuliert, besteht natürlich das Risiko, dass es wie jedes Fett oxidieren kann. Zu viel produziertes oder nicht benötigtes Cholesterin wird vom HDL wieder in die Leber zurück gebracht, weswegen ein ausreichend hoher Wert als Schutzfaktor gewertet wird.

Ziel der Schulmedizin ist es aber das Gesamtcholesterin und das LDL drastisch zu senken. Leider führt diese Senkung des LDL nicht zwangsläufig zu einem besseren Verhältnis von kleinvolumigem LDL zu großvolumigem LDL, das gefährliche Muster bleibt also leider bestehen. Die Statine, die dazu verordnet werden, senken meist das Gesamtcholesterin um ca. 20-30% und das LDL je nach gewähltem Statin um 30-50%. Pro Senkung des LDL um 40mg/dl soll sich das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle um gut 20% reduzieren.

Allerdings steigt das Risiko unter der Therapie an Diabetes zu erkranken um etwa 12% und die Statine können den Lp(a) Wert um bis zu 20% steigern, was ein klinisches Paradoxon darstellt.

Durch den Wirkmechanismus der Statine die HMG-CoA-Reduktase zu hemmen, hemmen sie nicht nur die Cholesterin-Synthese, sondern auch zu 40% die Synthese von Coenzym Q10, welches ein Schlüsselmolekül für die Energiegewinnung der Mitochondrien, der Kraftwerke unserer Zellen ist. Dies ist ein Grund, der zur Muskelschwäche und schneller Ermüdbarkeit führen kann, oft als „Fatigue“ beschrieben. Sie resultiert vermutlich aus der Kombination von mitochondrialer Dysfunktion (Q10-Mangel) und der verringerten Hormonproduktion (z.B. Cortisol-Vorstufen), wenn die Cholesterinsynthese sehr stark gedrosselt wird.

Ein Vitamin D Mangel verstärkt zusätzlich die Statin Nebenwirkungen und auch ein Selen Mangel kann aus dauerhafter Statin Einnahme resultieren ebenso eine verstärkte Magnesium-Ausscheidung über die Nieren, sowie eine veränderte Magnesium Aufnahme in die Zellen. Dies kann wiederum die Muskelkrämpfen und Myalgien führen und ein Magnesium Mangel beeinträchtigt wiederum die Vitamin D Umwandlung in Leber und Niere in die bioaktive Form.

Welchen anderen Ansatz könnte man also verfolgen? Linus Pauling riet dazu mit ausreichend L-Lysin und L-Prolin das Lp(a) abzufangen und zu binden. Normalerweise nutzt das Lp(a) mit seinen Kringelstrukturen diese um sich wie mit Greifarmen an freiliegende Aminosäuren wie Lysin und Prolin der beschädigten Strukturen der Gefäßwand (Kollagen und Fibrin) anzuheften. Nimmt man diese Aminosäuren hoch dosiert gezielt zu sich, besetzen diese dessen Bindungsstellen und es kann nicht mehr an das Kollagen andocken.

Leider fehlen bislang aussagekräftige Studien, um diese logische Theorie praktisch zu untermauern, allerdings sind es natürliche Aminosäuren mit sehr geringem Nebenwirkungsprofil.

Vitamin C stabilisiert die Kollagenmatrix der Gefäßwand, ist sie glatt, gibt es keinen Angriffspunkt für Lp(a). Somit dient es als Nahrungsergänzung als eine wichtige und preiswerte Vorsorgemaßnahme.

Omega 3 Fettsäuren hochdosiert wirken zwar kaum auf das Lp(a) selbst, senken aber die allgemeine Entzündungsneigung und verbessern deutlich die Fließeigenschaften des Blutes, indem sie es den Erythrozyten ermöglichen sich flexibel zu verformen, um durch das riesige Netzwerk an feinsten kapillaren hindurch zu passen.

Natürliche Gerinnungshemmer wie die Nattokinase oder Bromelain gleichen die Thromboseneigung ebenfalls aus, sollte der Lp(a) drastisch erhöht sein.

K2 ist einer der wichtigsten Schutzstoffe für unser Gefäßsystem. Während Vitamin K1 primär für die Blutgerinnung zuständig ist, reguliert Vitamin K2 (vor allem als MK-7) die Kalziumverteilung im Körper. K2 aktiviert das Matrix-Gla-Protein und wird somit zum stärksten körpereigenen Hemmstoff für die Gefäßverkalkung. Ohne K2 bleiben alle Matrix-Gla-Proteine, nämlich MGP, Protein S und Protein C „stumm“ (uncarboxyliert) und können kein Kalzium binden bzw. keine Signale senden. Durch gamma-Carboxylierung von Glutaminsäure, entsteht negativ geladenes Gla, was mit einer Art Greifarm freies 2fach positiv geladenes Kalzium im Blut binden kann und verhindert, dass es sich in die elastischen Gefäßwände einlagert. Gleichzeitig sorgt K2 dafür, dass Kalzium in die Knochen eingelagert wird durch Osteocalcin Aktivierung. MGP sorgt dafür, dass die Gefäßwände elastisch bleiben, während Protein S und C quasi das Blut flüssig halten.

K2 aktiviert die Proteine S und C, die wie eine natürliche „Bremse“ für die Blutgerinnung wirken und gleichzeitig helfen, die Blutgefäße vor gefährlichen Kalkablagerungen zu schützen. Ein Mangel an K2 führt somit dazu, dass Protein S und Protein C uncarboxyliert bleiben, was die natürliche Gerinnungshemmung aufhebt und das Thromboserisikomassiv erhöht.

Damit ist K2 einer der wichtigsten Co-faktoren für Vitamin D: Vitamin D verbessert die Kalziumaufnahme, verhindert, dass zu viel Kalzium über die Nieren ausgeschieden wird und ist an der Bildung von Matrix-Gla beteiligt ist, was erst durch K2 aktiviert werden kann und mit K2 zusammen sowohl die Osteoklasten (Knochenabbau) hemmt als auch die Osteoblasten (Knochenaufbau) aktiviert.

Man es kann es sich wie auf einer Baustelle vorstellen, Vitamin D ist der Signalgeber und Architekt, der mehr Arbeiter (MGP) bestellt, die das Kalzium wegräumen sollen und K2 ist der Antrieb, ohne den die Arbeiter nicht anfangen können.

Nimmt man hohe Dosen von Vitamin D ein, wird viel MGP produziert, was aber bei K2 Mangel inaktiv bleibt und somit das Kalzium nicht richtig gelenkt werden kann, also in den Gefäßen statt in den Knochen abgelagert wird.

In der  Rotterdam Studie konnte eindrucksvoll gezeigt werden, dass die Arterienverkalkung um 52% gesenkt werden konnte und die Sterblichkeit von Herzerkrankungen um 50% sank. Sichtbare Erfolge sind nach 1-3 Jahren zu erwarten. Als sichere Dosis für K2 gelten 200ug/Tag als MK-7.

K2 wirkt in den Mitochondrien fast wie ein Elektronenträger in den Komplexen der Atmungskette bei der Produktion von ATP und damit ähnlich wie Q10, da K2, besonders MK-4 und Q10 strukturell verwandt sind. Allerdings konnte es in Studien noch nicht bestätigt werden, dass es ähnlich effektiv fungiert, sondern nur unter speziellen Bedingungen.

Erwähnenswert ist noch die Rolle von Gas6 als Wächter und Reparatur Dienst in den Gefäßwänden. Er gibt den glatten Muskelzellen der Arterien das Signal „überleben und nicht absterben“, denn wenn diese absterben, setzen sie eine Art Kristallisationskern für Kalkablagerungen. Aktiviertes Gas6 sorgt als Müllabfuhr (Eferozytose) dafür abgestorbene Zellreste zu beseitigen, damit sich das Gewebe in den Gefäßwänden nicht entzündet. Damit Gas6 diese Schutzaufgabe erfüllen kann, muss es an sogenannte TAM-Rezeptoren andocken, was wiederum nur geht, wenn K2 vorher die Greifarme (Gla-Domäne) von Gas6 aktiviert hat.

Und über all dieses hinaus ist K2 noch ein „Gen-Regulator“: über den SXR-Rezeptor wirkt es nicht nur als klassisches Vitamin, sondern fast wie ein Hormon. Es schaltet im Zellkern Gene an, die für den Aufbau von stabilen Knochen und gesundem Bindegewebe verantwortlich sind, während es gleichzeitig über den Schalter NF-kB entzündliche Prozesse blockiert.

MK-4 (kurzkettig): Hat eine sehr kurze Halbwertszeit von nur ca. 1 bis 2 Stunden. Es wird schnell von der Leber aufgenommen oder abgebaut. Um therapeutische Spiegel zu halten, müsste man es mehrmals täglich in sehr hohen Dosen (Milligramm-Bereich) einnehmen. MK-7 (langkettig): Verfügt über eine deutlich längere Halbwertszeit von etwa 2 bis 3 Tagen. Aufgrund dieser Beständigkeit kann es sich im Blut anreichern und über 24 Stunden hinweg konstant Proteine wie MGP oder Osteocalcin aktivieren. Bestimmte Bakterien im Dickdarm wie E.coli und Bacteroides können K2 selber produzieren. Da die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen primär im oberen Dünndarm (mithilfe von Gallensäuren) stattfindet, die Bakterien aber im Dickdarm sitzen, ist die Absorptionsrate sehr gering. Sie reicht oft aus, um eine schwere Gerinnungsstörung zu verhindern, aber meist nicht, um die Gefäßverkalkung optimal zu stoppen. Der Körper kann in begrenztem Maße Vitamin K1 (aus Grünpflanzen) in MK-4 umwandeln. Dieser Prozess findet direkt in den Zielgeweben statt, ist aber oft nicht effizient genug, um einen modernen K2-Bedarf allein zu decken.

Jetzt kommen wir zum Statin Dilemma: wissenschaftliche Daten deuten auf einen paradoxen Effekt hin: Statine blockieren nicht nur die Synthese von Cholesterin und Q10, sondern hemmen auch die Synthese von K2 im Körper. Patienten unter Langzeit-Statin Therapie oder unter Vitamin K Antagonisten wie Marcumar zeigen höhere Kalk-Scores. Das Statin macht die Plaque zwar etwas stabiler, also weniger anfällig für Risse, aber eben durch eine forcierte Verkalkung.

Als Marker für ein hohes Infarktrisiko stellt schulmedizinisch ein hoher Lp(a) dar gekoppelt mit einem hohen Kalk Score, also bestehender Arteriosklerose und einem erhöhten C-reaktiven Protein (Entzündungsmarker), da dann die Gefäßwände unter Entzündungsfeuer stehen.

Apolipoprotein C-III wiederum ist ein Protein, das auf der Oberfläche von VLDL und LDL sitzt und ein Bremser des Fettabbaus ist, die Triglyceride werden schlechter abgebaut und die Verweildauer von Fetten im Blut steigt und somit auch ihr Oxidationsrisiko.

Unter Einfluss von Omega 3 werden weniger triglyceridreiche Fettverbindungen im Körper gebildet und werden auch schneller abgebaut, somit sinken nach ca. 3-monatiger Gabe, die Triglyceride um bis zu 30%, das HDL steigt, dabei ist EPA wirksamer als DHA. Anfangs steigt das LDL leicht, aber das Verhältnis von kleinvolumigem zu großvolumigem LDL verbessert sich signifikant im Gegensatz zur Statin Therapie. Somit ergibt sich auch hiermit ein Ansatz zur Behandlung von NASH (nichtalkoholischer Fettleber) und auch Prädiabetes. Hohe Triglyceride treten oft Jahre vor dem Anstieg des Nüchternblutzuckers auf. Ein hohes Verhältnis von Triglyceriden zu HDL-Cholesterin gilt als früher Warnhinweis für einen beginnenden Typ-2-Diabetes und auch als Marker für ein hohes Herz-Kreislauf-Risiko.

Die Elite Liga der Antioxidantien bei gestörtem Fettstoffwechsel und hohen Entzündungswerten zusätzlich zu den erwähnten Omega 3 FS, Vitamin D, K2, Vitamin C, Magnesium und Q10 sind die sehr potenten Stoffe Astaxanthin, Lutein und Quercetin.

Astaxanthin und Lutein sind beide fettlöslich und können sich direkt in die Hülle der LDL, HDL und Lp(a) Partikel integrieren, um diese von innen heraus zu schützen. Astaxanthin ist der Bodyguard, schützt stark vor Lipidperoxidation und durch seine einzigartige Struktur durchspannt es die gesamte Zellmembran wie eine Brücke. Es schützt somit die fettige Innenseite als auch die Außenseite der Membran vor freien Radikalen. Wenn freie Radikale LDL angreifen, entsteht sonst eine Kettenreaktion, die sogenannte Lipidperoxidation. LDL kann unter Astaxanthin viel länger oxidativ stabil bleiben. Es ist bis zu 800x stärker als Vitamin E und 6000 mal stärker als Vitamin C wirksam. Vitamin C als wasserlösliches Vitamin fängt die freien Radikale schon vorher im Blutplasma ab und recycelt Vitamin E und Astaxanthin, die sich selbst bei dem Abfangen von radikalen im LDL verbrauchen. Vitamin C wirkt im Gegensatz zum Astaxanthin in den Endothelzellen der Gefäße und schützt eNOS, welches Stickstoffmonoxid bildet (NO), was die Gefäße weit stellt.

Lutein als Carotinoid, welches verwandt mit Astaxanthin ist, lagert sich in die Wände der Arterien ein und verhindert dort spezifisch die Ansammlung von oxLDL. Studien zeigen auch, dass ein hoher Luteinspiegel mit einer geringeren Dicke der Halsschlagader korreliert, es hält also die Gefäße dünner und flexibler. Es schützt auch bei Fettleber oxidativen Stress abzubauen, der durch Fetteinlagerung entsteht. Für die Augengesundheit ist es zudem unerlässlich als UV Schutz und Schutz der Makula vor Blaulicht-Schädigung. Lutein schützt außer vor AMD (Makuladegeneration) auch vor grauem Star, verringert die Blendempfindlichkeit der Augen und verbessert das Kontrastsehen.

Quercetin ist ein Polyphenol (Pflanzenfarbstoff) und kann die Glukoseaufnahme in die Muskelzellen verbessern und gleichzeitig die Zuckerneubildung in der Leber hemmen, was zu einer Senkung der Insulinresistenz führen kann. Es unterstützt wie Vitamin C die NO Produktion, hilft den CRP zu senken und schützt Vitamin C vor Oxidation, verlängert also dessen Wirkung.

Ein möglicher Einnahmeplan:

Morgens zum Frühstück mit Fett die fettlösliche Fraktion: Vitamin D (2000-5000 I.E.), K2 (200ug), Omega 3 (10ml Eqology Pure Arctic Oil), Lutein (20mg, im Eqology Goldöl schon enthalten), Astaxanthin (4-12mg), Q10 (30-100mg)

Mittags gepuffertes Vitamin C(250-500mg) für eine bessere Magenverträglichkeit und Quercetin (500mg) als Recycling Boost für die Vitamine morgens

Abends eine zweite Gabe Vitamin C und Q10 (im Eqology Heart&Energy mit 50mg schon enthalten) zur mitochondrialen Regeneration plus Magnesiumbisglycinat oder Magnesiummalat (100-400mg) zur Entspannung. Q10 nur am frühen Abend zu einer Mahlzeit, da es sonst ggf. zu stark anregend wirkt.

Hat man einen schwachen Verdauungstrakt und wird eine fetthaltige Mahlzeit morgens nicht gewünscht, toleriert oder diese Mahlzeit generell ausgelassen, wird die fettlösliche Fraktion zusammen mit dem Abendessen eingenommen.

Empfohlene qualitativ hochwertige Produkte:

Eqology: Pure Arctic Oil, Goldöl, Heart&Energy oder veganes Algenöl (800ug Vitamin D3/10ml Tagesdosis, im Goldöl zusätzlich 20mg Lutein und 800ug Vitamin A, im H&E 50mg Kaneka Ubiquinol)

Eqology VitaminD3K2 Kapseln (1600 I.E Vitamin D3, 200ug K2, mit besonders hoch bioverfügbarem MenaQ7) plus Dr. Jacobs Vitamin D forte Tropfen (pro Tropfen 2000 I.E. Vitamin D3), um den erhöhten Bedarf an D3 anzupassen

Natugena Quercetin +C (pro 3 Kapseln 500mg Quercetin, 480mg gepuffertes Vitamin C, 96mg Magnesium, 300mg Lecithin) oder Natugena Vitamin C (pro 3 Kapseln 556mg Vitamin C (PureWay-C®) als lipid-metabolisierter Vitamin-C-Komplex mit zusätzlichem OPC 25mg aus Weintraubenkern-Extrakt und Quercetin 25mg plus Rutin 25mg

Sunday Natural Quercetin Komplex Cardioflam mit Vitamin C, Thiamin, Quercetin, Rutin, Bromelain und Taxifolin

Sunday Natural Antiox complete, ein Multi Nährstoffkomplex

Natugena Zellenergie mit Coenzym Q10, Trans-Resveratrol, Alphaliponsäure NADH und B-Vitaminen

Eqology Nordic Energy Booster mit hoch bioverfügbarem gepufferten Vitamin C, Magnesium, Kupfer, Selen, Jodid und B-Vitaminen

Nadarra Vitamin C Pulver mit 500mg Vitamin C, Quercetin, OPC, Resveratrol und Rutin

Ein weiterer zu beachtender Punkt ist die Gehirn-eigene Cholesterinsynthese. Das Gehirn enthält ca. 25 % des gesamten Körpercholesterins. Da die Blut-Hirn-Schranke für das LDL undurchlässig ist, muss das Gehirn ein autarkes System sein, was Cholesterin de Novo vor Ort selbst produziert. Grundstoff dafür sind 18 Moleküle Acetyl-CoA. Die Astrozyten können auch Laktat und Ketonkörper in Acetyl-CoA umwandeln, falls die Glucoseversorgung schwankt.

Astrozyten produzieren mehr als sie selbst benötigen, die Neuronen fahren im fortgeschrittenen Lebensalter die Produktion hingegen herunter. Im Gehirn übernimmt das Transportprotein APOE (Apolipoprotein E) die Rolle des Taxis. Um überschüssiges Cholesterin loszuwerden, wird das Cholesterin in 24-S-Hydroxycholesterin umgewandelt, was die Blut-Hirn-Schranke passieren kann,

Statine sind deshalb so konstruiert, dass sie die Cholesterinsynthese im Gehirn wenig stören. Dabei unterscheidet man lipophile (Simvastatin, Fluvastatin, Atorvastatin) und hydrophile Statine (Rosuvastatin, Pravastatin).

Lipophile Statine diffundieren passiv durch Zellmembranen und gelangen dadurch so in die meisten Gewebe (auch Muskeln und ZNS), während hydrophile Statine aktive Carrier Proteine benötigen, die primär in Leberzellen vorkommen und somit eine höhere Leberselektivität vorweisen. Sie zeigen sich aufgrund ihrer systemischen Verteilung als stärker antientzündlich und Plaque stabilisierend wirksam. Die lipophilen Statine verursachen durch ihre Cytochrom P450 Verstoffwechselung mehr Arzneimittel-Wechselwirkungen und mehr Myopathien und Muskelschmerzen, weil sie stärker in den Skelettmuskel diffundieren.

Ein weiteres Problem ist ihre ZNS-Gängigkeit durch die Fähigkeit die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und somit die Cholesterinsynthese des Gehirns zu stören, indem es direkt die HMG-CoA- Reduktase dort hemmt. Es gibt Fallberichte und kleinere Studien, die einen Zusammenhang mit reversiblen kognitiven Störungen, Gedächtnisverlust oder „Brain Fog“ nahelegen. In PET-Scans wurde bei Nutzern lipophiler Statine teilweise ein verringerter Stoffwechsel in Hirnarealen beobachtet, die früh von Alzheimer betroffen sind. Bei hydrophilen Statinen beobachtet man dies eher unter Langzeiteinnahme oder wenn pathologische Bedingungen wie ein Schlaganfall oder Störungen der Blut-Hirn-Schranke vorliegen.

DHA ist die dominante Omega 3 Fettsäure im Gehirn. Da Statine die lokale Cholesterinsynthese hemmen können, ist eine optimale versorgung mit DHA kritisch, um die Fluidität der neuronalen Membranen und die Synapsenfunktion aufrechtzuhalten. Eine externe Zufuhr von hochwertigem Vollspektrum Omega-3 ist unverzichtbar, um Demenz und anderen neurodegenerativen Erkrankungen des Gehirns vorzubeugen.

Ebenso wird eine Störung der Myelinisierung diskutiert, was neurologische Nebenwirkungen nach sich ziehen könnte. Die Myelinschicht bewirkt einen Schutz und elektrische Isolierung der sensiblen Nervenfasern und sorgt für eine fehlerfreie Reizweiterleitung.

Kognitive Einbußen und eine verlangsamte Reaktionszeit können daraus resultieren sowie Sensibilitätsstörungen, Polyneuropathien und unwillkürliche Muskelzuckungen.

Zusätzlich kann es zu Muskelschwäche, Muskelsteifheit, Koordinationsstörungen und Gangunsicherheit führen.

Die genaue Ursache der Statin-induzierten Myopathie ist multifaktoriell.

Da Statine wie oben erwähnt, die HMG-CoA-Reduktase blockieren, wird nicht nur die Cholesterinsynthese gehemmt, sondern auch die Bildung essenzieller Zwischenprodukte des Mevalonatwegs unterbrochen, so auch die körpereigene Bildung von Coenzym Q10, welches ein wichtiger Elektronenüberträger in der mitochondrialen Atmungskette ist. Durch die Beeinträchtigung der oxidativen Phosphorylierung kommt es zum ATP Abfall (die Energiegewinnung in den Muskelzellen sink) und zu oxidativem Stress, da mehr freie Radikale entstehen, die die Myozyten schädigen.

Durch zusätzliche Gabe von Coenzym können aber nicht bei allen Patienten die Beschwerden gelindert werden, was man erst seit kurzem versteht (laut aktueller Studie der University of British Columbia) , weil eine zusätzliche Störung der Calcium Homöostase vor allem durch lipophile Statine ausgelöst werden kann. Sie binden an Ryanodin Rezeptoren im sarkoplasmatischen Retikulum und blockieren dadurch die kontrollierte Freisetzung von Calcium-Ionen aus den internen Speichern der Muskelzelle, weil dieser nicht mehr vollständig schließt, Calcium tritt permanent in kleinen Mengen aus, auch im Ruhezustand des Muskels. Dadurch werden Protease aktiviert, die den Muskel abbauen. Die Mitochondrien versuchen die Zelle zu schützen und nehmen Calcium auf, was aber zur Apoptose der Mitochondrien führt. Die Folge ist permanenter oxidativer Stress.

Statine können außerdem die Expression des Enzyms Atrogin-1 steigern, welches ebenfalls den Protein-Abbau (Atrophie) im Muskel fördert. In sehr seltenen Fällen kann es auch zu einer Autoimmunreaktion mit nekrotisierender Myopathie kommen, wenn Antikörper gegen die HMG-CoA Reduktase gebildet werden.

Der Körper benötigt sogenannte Fett-Anker, damit Steuerungsproteine sich an die lipophile Zellmembran fest anhängen können. Die Statine blockieren so früh im Stoffwechselweg die HMG-CoA Reduktase, dass nicht nur Cholesterin, sondern auch die für den „Anker“ benötigten Isoprenoide geblockt werden. Ohne diese verankerten Proteine gerät die interne Logistik der Muskelzelle außer Kontrolle. Die Zelle registriert den wachsenden Funktionsverlust und leitet ein Selbstmordprogramm ein, was klinisch als Myopathie oder im Extremfall als Rhabdomyolyse sichtbar wird.

Muskelzellen haben im Vergleich zur Leber eine deutlich geringere Basissyntheserate von Mevalonat. Wenn Statine diesen ohnehin schmalen Pfad blockieren, gehen der Muskelzelle die Vorläufer für Coenzym Q10 und die Protein-Prenylierung viel schneller aus als den robusten Hepatozyten. Die Leber ist durch ihre spezialisierten Aufnahmewege und ihren hohen Stoffwechseldurchsatz geschützt, während der Muskel aufgrund seiner Calcium-Steuerung und geringeren Stoffwechselreserven bei hohen Wirkstoffspiegeln im Blut („Überflutung“) empfindlich reagiert.

Jetzt wird es noch etwas spezieller und interessant im Zusammenhang mit den oben genannten Omega 3 Fettsäuren: besonders Simvastatin und Atorvastatin greifen in den Stoffwechsel der Eicosanoide (Prostaglandine, Leukotriene) ein. Sie stimulieren Enzyme, die die Umwandlung von Linolsäure in Arachidonsäure (entzündungsfördernd) beschleunigen, gleichzeitig haben sie aber auch einen COX-2 modulierenden Effekt ähnlich wie niedrig dosierte Acetylsalicylsäure: sie fördern entzündungshemmende Lipoxine, können aber gleichzeitig im Muskelgewebe schützende Prostaglandine reduzieren.

Eine gezielte Supplementierung mit

Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) kann die beschriebenen biochemischen Verschiebungen und klinischen Nebenwirkungen der Statine tatsächlich abpuffern. EPA und DHA dienen als Ausgangsstoffe für Spezialisierte Pro-Resolving Mediatoren (SPMs) wie Resolvine und Protectine. Ohne ausreichende Zufuhr verpufft der potenzielle entzündungshemmende Effekt der Statine teilweise. Studien zeigen, dass die Kombination von Statinen mit EPA (ca. 1.800 mg/Tag) Plaque-Ablagerungen in Gefäßen deutlicher reduziert als Statine allein und eine signifikante Reduktion von Muskelschmerzen und Entzündungsprozessen bewirkt.

Bei Zufuhr von hohen Dosierungen von DHA, kommt es anfangs zu einer leichten Erhöhung von LDL. Dies resultiert aus der effektiven Senkung der Triglyceride durch Hemmung der Bildung von VLDL. Diese werden durch eine spezielle Lipase in LDL umgewandelt, diese sind aber die oben beschriebenen größeren/fluffigeren large buoyant LDL, die zu groß sind, um in die Gefäßwände einzudringen.

In einer abschließenden Gesamtbetrachtung drängt sich die Frage auf: wenn Arteriosklerose mit einer Endothelschädigung beginnt und nicht mit einer Cholesterin-Ansammlung, dann verfehlt die einseitige Fokussierung auf Senkung der Cholsterinwerte eindeutig das therapeutische Ziel.

Mehr Informationen im Vortrag von Dr. Christian Ostalecki.